Mailand Ärgerniss Teil 1
Trotz chronischen Zeitmangels zog es mich Samstagnachmittag doch noch zu 10 Corso Como. „Treat yourself“, spornte mich meine Stockholmer Begleitung an. Ich weiß nicht wer und wann so genannte Concept-Stores in diese Welt gesetzt hat? Bis heute hab ich nicht entdeckt, was so besonders an ihnen sein soll?? 10 Corso Como jedenfalls ist genauso enttäuschend wie Colette in Paris oder The Corner in Berlin: Atmosphäre wie beim KiK-Ausverkauf, Cashmere-Sweater sowie Valextra-Geldbörsen liegen lieblos zwischen billigen Plexiglas-Regalen und Sakkos in Grau, Schwarz, Blau krieg ich auch im Karstadt. Das erhoffte besondere Stück fand ich jedenfalls nicht. Treated myself mit einigen Gläsern wirklich leckerem Pinot Grigio im wirklich schön begrünten Corso Café.
Erdbeerkuchen mit Li Edelkoort
Drei Tage Möbelmesse Salone in Mailand – drei Tage Chaos, kein TV (Was bitte ist Schweinegrippe?) und gefühlte zehn Marathons gelaufen. Die Highlights und Trends von der Messe gibt’s morgen auf Bild.de. Parallel zu den Ausstellungen auf der Fiera ist ganz Mailand im Designfieber mit über 400 Veranstaltungen auf dem Fuorisalone und dem Zentrum Zona Tortona. „Mailänder Möbelmesse ist wie Weihnachten“, wie mir ein Milanese erzählte. Sogar die meisten Geschäfte hatten am Samstag geöffnet, trotz Nationalfeiertag.
Zu viel der Eindrücke, um sie hier alle aufzuschreiben. Persönlicher Höhepunkt war ein kurzes Kennenlernen am Samstagnachmittag mit Li Edelkoort in der Spazio Rossana Orlandi, einem kleinen Refugium in einer ehemaligen Krawattenfabrik im Magenta District (das großartige Restaurant Pane e Acqua ist gleich nebenan). Eine Gruppe älterer Frauen verköstigte die Salone-Besucher mit Caffè und Selbstgebackenem (Himmlisch: Erdbeertorte mit Aprikosenkonfitüre) im großzügigen Wintergarten, und Designtalente des Designhuis Eindhoven zeigten ihre Arbeiten, kuratiert von Li Edelkoort, die persönlich zugegen war. Und so ergab sich zufällig eine Plauderei über Gardening (wovon ich genauso wenig verstehe, wie von einem Automotor), die wunderbare Stimmung im Spazio (die an diesem Nachmittag sogar Designer Konstantin Grcic anzog) und Pfingstrosen, die überall auf den Tischen so herrlich blühten. Auf Bildern wirkt Li Edelkoort streng, ungemütlich und unnahbar. An diesem Nachmittag entpuppte sich die Hohepriesterin der Trendvorhersage mit den blitzend blauen Augen einer jungen Göre als außerordentlich charmant, warmherzig, entspannt, redselig – ja irgendwie mütterlich. 






Herrenschauen Mailand
So bevor in Paris (22. bis 25. Januar) gezeigt wird, was mann nächsten Herbst und Winter so trägt, hier noch schnell ein kurzer Rückblick auf Mailand. Die Stimmung dort, so pfiffen es die Spatzen von den Dächern: wenig Partys, keine Promis (außer der Becks-Sippe), familiär, wenig Extravaganz dafür sexiness und klare Formen. Die Key pieces im Detail:

Neue Silhouette bei Jil Sander. Chefdesigner Raf Simons zeigt extrem tailierte Schnitte. Darin kriegt jeder noch so schmale Hanswurst ein sexy Schwimmer-V.

Außerdem gab’s interessante Farbverläufe, Dégradés genannt.

Das neue Design-Duo, Roberto Rimondi und Tommaso Aquilani, für das Modehaus Gianfranco Ferré haben für mich eine der besten Arbeiten abgeliefert. Viel Leder, traumhaften Strick, tolle Linien, skulpturale Kragen…


… sowie brillante Abendmode.

Mein absolutes Lieblingsteil sind die fleischfarbenen Socken bei Alessandro Dell’Aqua. Die zogen sich wie ein roter Faden durch die Kollektion.

Und was trägt mann in der Krise? Richtig! Gold.

Eigentlich sind Lammfell-Jacken nicht so mein Ding. Aber diese hier von Dsquared könnte mir gefallen


Tolle Farb- und Muster-Kombis sah man bei Gucci…

… schicke Doppelreiher-Anzüge bei Prada.

Was man auf der Piste trägt, zeigte Thom Browne für die Edel-Daunen-Jacken-Marke Moncler.