Kunst-Leder
Der Berliner Kunstherbst erreicht in dieser Woche und dem kommenden Wochenende mit zahlreichen Veranstaltungen seinen Höhepunkt. Verwiesen sei hier auf zwei Veranstaltungen:
1. Die Ausstellung „Tom of Finland“ in der Galerie Schlechtriem Brothers, Vernissage am 26. September ab 18 Uhr.

2. Die Veranstaltung „Register“, ein Rundgang durch die wirklich lohnenswerten Berliner Design Galerien.

Touko Laaksonen (1920-1991) alias Tom of Finland gilt mit seinen Zeichnungen von echten Kerlen als Ikone der Schwulen und Lederszene. Erst spät wurden seine homoerotischen „Schmuddelbilder“ in der Kunstszene beachtet bzw. wurden Vorbild für andere Künstler (Norbert Bisky).
Der junge Galerist André Schlechtriem machte sich in der Szene vor allem einen Namen mit seinem Schaffen für die amerikanische Rothschild Foundation, für die er Zeichnungen junger Künstler kaufte. 30 Millionen Dollar durfte er ausgeben, um eine Sammlung von 2600 Zeichnungen zusammenzustellen, die später dem MoMA geschenkt wurde.
Thomas Demand Ausstellung in Berlin
Ab 18. September bis zum 17. Januar präsentiert die Neue Nationalgalerie in Berlin die bisher größte Einzelausstellung des deutschen Fotokünstlers Thomas Demand. Über das Prinzip seiner Arbeit wurde hier ja schon berichtet.

„Doch man sieht nur die im Lichte…
… die im Schatten sieht man nicht.“ (Bert Brecht)
Gestern veröffentlichte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels die „Longlist“ (Auszüge aus den nominierten Romanen können auf Libreka kostenlos heruntergeladen werden) für den Deutschen Buchpreis 2009 (wird am Vorabend der Frankfurter Buchmesse vergeben).
Kritik zur Liste kommt von den kleinen Independent-Verlagen: „Die Longlist setzt vor allem auf bereits etablierte Autoren und traditionelle Verlage.“ Aus diesem Anlass haben sie kurzfristig eine eigene Liste mit ihren literarischen Empfehlungen zusammengestellt. Die „Hotlist“ soll „die Gegenwartsliteratur zum Leuchten“ bringen. Hier die Empfehlungen:
1. Hans Adler: Das Städtchen. Roman (Lilienfeld Verlag)
2. Barbara Bongartz: Perlensamt. Roman (weissbooks)
3. Michel Butor: Der Zeitplan (Matthes & Seitz Berlin)
4. Gion Mathias Cavelty: Die Andouilllette. Roman (Echtzeit Verlag)
5. Leonid Dobycin: Die Stadt N. Roman (Friedenauer Presse)
6. Daniel Goetsch: Herz aus Sand. Roman (Bilger Verlag)
7. Germar Grimsen: Almatastr. Roman (Verbrecher Verlag)
8. Jan Kossdorf: Sunnyboys. Roman (Milena Verlag)
9. Margret Kreidls: Eine Schwalbe falten (Edition Korrespondenzen)
10.Martin Kubaczek: Sorge. Ein Traum Roman (Folio Verlag)
11. Jan Off: Unzucht (Ventil Verlag)
12. David Peace: Tokio im Jahr Null (Liebeskind)
13. Joel Rosenman, John Roberts und Robert Pilpel: Making Woodstook. Ein legendäres Festival und seine Geschichte – erzählt von denen, die es bezahlt haben (Orange Press)
14. Alexander Schimmelbusch: Blut im Wasser. Roman (Blumenbar Verlag)
15. Ulrich Schlotmann: Die Freuden der Jagd (Urs Engler)
16. Jochen Schmidt: Schmidt liest Proust (Verlag Voland & Quist)
17. Michael Weins: Delfinarium. Roman (mairisch Verlag)
18. Chantal Wicki: Gleissen (Salis Verlag)
19. Benjamin Tienti: Raubvogel. Roman (Luftschacht)
20. Uljana Wolf: falsche freunde (Kookbooks)

Foto: Blumenbar Verlag
Audienz bei Cindy Sherman
In der August-Ausgabe der US-Vogue gibt die amerikanische Fotokünstlerin Cindy Sherman exklusive Einblicke ins Privatleben und öffnet die Türen zu ihrer neuen New Yorker Stadtwohnung. Im Gegensatz zu ihren beklemmenden, ekelerregenden und oft brutalen Fotografien (Sherman schlüpft dabei als ihr eigenes Modell in verschiedene Rollen) strahlt das Apartment freundlich, bunt, hell und modern. Den Artikel und eine kleine Fotogalerie gibt’s zum Glück online.

Foto: François Halard
Bachmannpreis
Mit seinem Romanauszug „Bis dass der Tod“ hat Jens Petersen den diesjährigen Bachmannpreis gewonnen. Der studierte Mediziner hat schon einiges veröffenticht, unter anderem sein vielfach gelobtes Romandebüt „Die Haushälterin“, wofür er auch den aspekte-Literaturpreis gewann. Mir persönlich ist der Gewinner-Text zu sperrig, zu düster. Wesentlich besser gefällt mir (auch die Jury war ganz positiv) der komisch-schlaue Beitrag der Österreicherin und Debütantin Caterina Satanik, die leider nix gewann.
Deutschstunde
Seit heute wird wieder gelesen, diskutiert und gestritten: Beim 33. Ingeborg Bachmann-Preis in
Klagenfurt. An dem prestigeträchtigen Vorlese-Wettbewerb, der mit 25 000 Euro dotiert ist, nehmen in diesem Jahr 14 deutschsprachige Autoren und Autorinnen teil, sieben aus der Bundesrepublik. 3sat überträgt alle Lesungen, Diskussionen und die Preisverleihung am Sonntag live.
Auch die Kulturzeit berichtet mit Analysen und Gesprächen wie gewohnt kritisch am Donnerstag und Freitag ab 19.20 Uhr.
Alle Autoren, vorgelesenen Texte, Jury-Kommetare gibt’s auf der Webseite des Literaturwettbewerbs.
In dem Zusammenhang sei noch mal auf das Lesebuch „Die besten 2008“ mit den besten Klagenfurter Texten aus dem letzten Jahr hingewiesen. Diese kleine Reihe erscheint seit 1990 im Piper Verlag.
Nachdenken über Christa W.
Zum 80. Geburtstag der Schriftstellerin Christa Wolf am 18. März gibt es ein wunderbares Essay über die „Staatsdichterin“ in der Wochenendbeilage der Berliner Zeitung, geschrieben von einer meiner derzeit liebsten Autorinnen Ines Geipel.

© dpa
Großes Kino
Der Vorspann eines Films kann oft schon großes Kino sein – und ist manchmal sogar besser als der Rest des Films. Die Berliner Kunstwerke setzen diesem eigenen filmischen Genre in der Ausstellung „Vorspannkino“ bis zum 19. April ein Denkmal. Unter den 54 gezeigten „Filmen“ finden sich u. a. die legendären openings der Bond-Filme (unterstützt durch die ebenfalls legendären Bond-Songs) sowie die Meisterwerke von Saul Bass, hier das Beispiel von Vertigo:
Ein Beispiel aus der Bond-Reihe: Goldfinger
Ebenfalls in der Ausstellung: Der Vorspann zu Quentin Tarantinos Death Proof
Und ein Beispiel, welches regelmäßig sonntags ab 20.15 die Fernsehzuschauer fesselt
Joe-Beau

Schwulenikone, Underground Star der Warhol-Factory und legendär – heute wird Joe Dallesandro auf der Berlinale mit einem Teddy-Award für sein Lebenswerk geehrt. Dazu zwei passende Artikel in der Süddeutschen Zeitung (am 12. Februar, leider nicht online) und im Tagesspiegel. Zur Feier des Tages der Trailer zum Film Heat.
Watch it!
„Kiss me, Kate“ in der Komischen Oper Berlin. Nicht eines dieser typischen Retorten-Musicals wie Tarzan, König der Löwen, Mamma Mia etc… Sondern klassisch-schillerndes Broadway-Musical-Theater von Cole Porter: Total trashig, viel nackte Haut, absolut witzig, geile Tanznummern, großartige Live-Swing-Musik vom Big-Band-Orchester (alle mit feschen, pinken Fes-Hüten auf dem Kopf) und eine grandiose, grandiose, grandiose! Dagmar Manzel in der Hauptrolle der Lilli Vanessi/Kate. Unbedingt angucken! Leider läuft das Stück schon länger und es gibt nur noch wenige Vorstellungen: 10. und 31. Dezember. 3., 4. und 23. Januar. Sowie 2. und 3. Februar.


© Komische Oper Berlin

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